Kompetenznetzwerk für technische
Sauberkeit, Reinigbarkeit und
Sterilisierbarkeit in der Medizintechnik.
   
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Netzwerkpartner im Interview


Projekt CleanMed von MedicalMountains in Tuttlingen: Mit Kompetenznetzwerk Wettbewerbsvorteile bei Sauberkeit in der Medizintechnik erzielen

Klare Erwartungen und eine große Portion Unternehmungsgeist: Teilnehmer des Projektes CleanMed blicken gespannt der zweiten Phase entgegen. Für weitere Unternehmen aus der Region bietet sich die Möglichkeit, noch auf das Projekt aufzuspringen.
 
Zusammenarbeit und Vernetzung zahlen sich aus. Diese Erfahrung machen aktuell zahlreiche Unternehmen aus der Region, die im CleanMed-Projekt der Clusterorganisation MedicalMountains aktiv sind: „Es gibt regional sehr viel Detailwissen aus den unterschiedlichsten Bereichen, mit CleanMed ist hier einiges ins Rollen gekommen“, befindet etwa Daniel Seeh, Vice President Research & Development bei der Henke-Sass, Wolf GmbH in Tuttlingen.
 
Das Unternehmen zählt zu den Startteilnehmern in dem wegweisenden Projekt, das im April 2015 gestartet worden war: 24 Netzwerkpartner - Medizinprodukte-Hersteller, Reinigungsdienstleister und Forschungsinstitutionen wie das Fraunhofer IPA - haben sich zu CleanMed, dem Kompetenznetzwerk für technische Sauberkeit, Reinigungsfähigkeit und Sterilisierbarkeit in der Medizintechnik, zusammengefunden. Gefördert wird CleanMed vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM).
 
CleanMed steht weiterhin allen interessierten Unternehmen offen, betont Projektleiterin Julia Steckeler von der Clusterorganisation MedicalMountains AG. „Mehr Teilnehmer bedeutet mehr Wissen, mehr Austausch, mehr Gewinn für alle“, verdeutlicht sie die grundsätzliche Denkweise hinter dem Projekt. Im Ergebnis soll die Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Unternehmen spürbar verbessert werden. „Denn technische Sauberkeit, Reinigungsfähigkeit und Sterilisierbarkeit als Qualitätsmerkmal für Produkte aus dem Cluster MedicalMountains stärken die Marktaussichten und damit den Standort erheblich.“ Für Daniel Seeh ist angesichts der Relevanz des Themas Sauberkeit klar: „Als zukunftsgewandtes Unternehmen kann man es sich nicht leisten, nicht dabei zu sein. Dafür ist das Thema zu präsent und nachhaltig.“
 
Absolut bewährt hat sich die Organisationsstruktur des Projektes. „Ohne das Netzwerk-Management von MedicalMountains und die neutrale Führung mit Sachkompetenz könnten die Unternehmen kaum so reibungslos miteinander arbeiten“, stellt Patrick Zepf, Geschäftsführer der Helmut Zepf Medizintechnik GmbH (Seitingen-Oberflacht) heraus. Für Uwe Stoll, Bereichsleiter Medizintechnik bei der Carl Haas GmbH in Schramberg-Sulgen, hilft das Projekt die Zukunftschancen der hiesigen Unternehmen zu sichern: „So lange es Medizintechnikprodukte gibt, so lange wird die Sauberkeit wichtiges Thema bleiben.“ Von daher sei es wünschenswert, wenn das Projekt nicht nur Projekt bliebe, sondern in Zukunft zu einer festen Kompetenzstelle und ständigem Ansprechpartner wachsen würde.
 
Diese Einschätzung unterstützt Seeh uneingeschränkt und verweist dabei auf die politische Dimension: „Durch CleanMed können auch die herstellenden Unternehmen ihre Sichtweise und Bedürfnisse in den Prozess einbringen, der sonst von Unternehmen, die Maschinen zur Reinigung oder Reinigungsmittel herstellen, alleine dominiert wird.“
 
Henke-Sass, Wolf zählt zu den großen Unternehmen im Verbund, die Weinmann GmbH aus Seitingen-Oberflacht als Hersteller chirurgischer Instrumente mit 20 Mitarbeitern zu den Kleinen. Doch sie eint der gleiche Ansatz: „Das Thema ist sehr wichtig, bindet aber viele Ressourcen, um den administrativen Vorschriften und den Audits durch Kunden zu genügen. Mit der Netzwerkarbeit kann man gleichzeitig den Aufwand minimieren und zu besseren Ergebnissen gelangen“, formuliert es Geschäftsführer Harald Weinmann. Patrick Zepf stellt bündig fest: „Alleine könnten wir das alles gar nicht leisten.“
 
Die Zusammenarbeit im Gesamtprojekt und den Spezialthemen sei gleichermaßen sehr fruchtbar, bestätigen die Teilnehmer übereinstimmend: „Wir arbeiten da sehr offen mit anderen Herstellern“, sieht Zepf keine grundsätzlichen Probleme. „Unsere wirkliche Konkurrenz sitzt ja nicht in der Nachbarschaft, sondern in den Billiglohnländern“ befindet Weinmann. Die Zusammenarbeit mit einem direkten Konkurrenten sei natürlich „immer ein Kompromiss“, sagt Stoll, im Grunde verlaufe die Zusammenarbeit aber beeindruckend vertrauensvoll. „Kooperation hierzulande, wo sie Sinn macht und möglich ist, stärkt auch die Wettbewerbsfähigkeit der Region“ sieht Stoll die wahre Konkurrenz für das Unternehmen Carl Haas eher in anderen Ländern als vor Ort. Und für Seeh zählt die Qualität, die als Alleinkämpfer nicht zu erreichen wäre: „In den Arbeitsgruppen sind die Profis unter sich, in die Netzwerke werden sehr kompetente Mitarbeiter entsendet“, hat er festgestellt. Außerdem gehe es um grundlegende Technologien: „Jedem Unternehmen steht frei, die gewonnenen Erkenntnisse weiter zu verfeinern und für die eigenen Bedürfnisse passgenau zu adaptieren.“
 
Neben dem direkten Nutzen im Themenfeld Reinigen ist Weinmann aus einem weiteren Grund begeistert: „Als kleines Traditionsunternehmen kommen wir mit neuen Techniken, Herangehensweisen und neuen Partnern zusammen. Auch wenn wir vieles nicht sofort nutzen können - für kommende Innovationen dürften diese Kontakte sehr nützlich werden.“ Vor allem für kleinere Unternehmen kann das weite Feld der technischen Sauberkeit eine große Herausforderung bedeuten, befindet Stoll: „Die Zusammenarbeit im MedicalMountains-Netzwerk wirkt hier unterstützend und schafft ein höheres Maß an Handlungssicherheit“, meint er. Nicht zu vergessen: Durch die Förderung und die gemeinsame Finanzierung „bleiben die Kosten im Rahmen“. Seeh erkennt, dass sich mit und über das Projekt bei vielen Managern und Eigentümern die Erkenntnis durchsetzt, dass die Fähigkeit zur Vernetzung mittlerweile zu den wichtigen Managementkompetenzen zählt: „Das Umdenken ist in vollem Gang.“
 
Nun also die Phase zwei, in der die Teilnehmer zu ganz konkreten Resultaten kommen wollen. Die Standardisierung von Reinigungsverfahren für chirurgisch-invasive Produkte stehen für Zepf und Weinmann im Vordergrund, Stoll setzt auf valide Reinigungsprozesse für beschichtete Bauteile, Henke-Sass, Wolf arbeitet an einem Spezialthema im Bereich schmierfreier Teile. „Je mehr Unternehmen daran teilnehmen, umso mehr Gewicht erhalten die Ergebnisse“, hofft nicht nur Zepf auf weitere Unternehmen, die teilnehmen.


Daniel Seeh, Vice President Research&Development, Henke- Sass, Wolf GmbH                                                 Uwe Stoll, Bereichsleiter Medizintechnik, CARL HAAS GmbH
Bild: Henke-Sass, Wolf GmbH                                                                                                                         Bild: CARL HAAS GmbH


li: Patrick Zepf, Geschäftsführer, Helmut Zepf Medizintechnik GmbH                                                                   Harald Weinmann, Geschäftsführer, Weinmann GmbH
Bild: Helmut Zepf Medizintechnik GmbH                                                                                                           Bild: Weinmann GmbH